Des Texters unschönes Dilemma

18. 08. 2019

Printmedien. Wie kann sich jemand Schreiber nennen, der eine dermassen hässliche Handschrift führt wie David Koller? Ein vieldiskutiertes Dilemma. Schon oft stand es im Zentrum von Texten – etwa diesem, erstmals publiziert vor ein paar Jahren im «Willisauer Bote» und nun leicht modifiziert

Charme einer nordkoreanischen Nachrichtensprecherin

Kalligrafie ist die Kunst des Schönschreibens. Deren Meistern ist meine tiefe Bewunderung zuteil. Denn von ihren Fähigkeiten befinde ich mich so weit entfernt wie Teenie-Ikone Justin Bieber von der Aura eines reifen Mannes. Was ich aufs Blatt bringe, hat den Charme einer Schmähtiraden bellenden nordkoreanischen Nachrichtensprecherin.

Schön schreiben? Schön wärs!                    Foto Shutterstock

Meine Handschrift ist hässlich. Das Perfide: Auch andere krakeln unleserlich, dafür immerhin schnell. In Rekordzeit füllen sie Blätter. Mein Gekritzel hingegen entbehrt nicht nur optisch jeder Regelmässigkeit, es geschieht auch langsam und braucht erst noch viel Platz. Pure Ineffizienz. Ich bin überzeugt, feinmotorisch hochgradig gestört zu sein. Schon in der Schule litt ich darunter: Wieder und wieder musste ich Texte ein zweites Mal schreiben. Wirklich schöner als der Erstling waren sie nie.

Visuell hässliche Texte

«Ist das Stenographie?», wurde ich schon öfters gefragt, während ich verkrampft ein Blatt verunstaltete. Schön wärs! Es ist das Werk eines kalligrafisch Minderbemittelten. Meine Klaue – mein Stigma. Vor ein paar Jahren eignete ich mir das kyrillische Alphabet an, in der leisen Hoffnung, nun werde alles besser; war es doch ein kompletter Neuanfang. Fehlanzeige! Abermals war ich das Klassenmitglied, das die visuell mit Abstand hässlichsten Texte gebar.

Und dann erst die persönliche Komponente: wie gerne würde ich handgeschriebene Briefe verfassen. Nur bringt das nichts, niemand könnte sie lesen. Voller Ehrfurcht schaue ich zu Menschen auf, die wunderschön geschwungene Lettern aus dem Stift zaubern. Sie verehre ich so sehr, wie kreischende Mädchen Justin Bieber. Wahrlich, ich bin ein Schönschreib-Groupie!

Lebensretter Gutenberg

Zum Glück gab es Johannes Gutenberg. Er hat mein Leben gerettet. Elendiglich am Hungertuch nagen müsste ich, hätte er weiland nicht den Buchdruck erfunden. Denn mein täglich Brot verdiene ich mit der Schreiberei – andere Talente habe ich bislang nicht entdeckt. Müsste ich das von Hand tun, niemand könnte es entziffern, niemand erteilte mir Schreibaufträge. Ich wäre nicht nur Teil einer kalligrafischen Randgruppe, sondern auch einer sozialen.

Gutenberg verdanke ich viel. Und der Textverarbeitungssoftware von Computerpionier Bill Gates ebenso. Vielleicht sollte ich Letzterem mal einen handgeschriebenen Dankesbrief schicken.

Texte, die

10. 08. 2019

Mit diesem Stimmungsbild aus den Familienferien im Tessin meldet sich David Koller zurück. Ab sofort entstehen in der Schreiberei wieder gehaltvolle Texte für verschiedenste Auftraggeber. 

PS: Nachtrag zum letzten Text mit dem Titel «Urlaub, der»: Im Gegensatz zum übrigen deutschen Sprachraum verwenden Schweizer die Begriffe Ferien und Urlaub mehrheitlich synonym. Andernorts bezeichnen Ferien Zeiträume, in denen eine Einrichtung vollständig schliesst – Urlaub indes beziehen die einzelnen Angehörigen der Institution.

Ur­laub, der

26. 07. 2019

Wortart: Substantiv, maskulin
Worttrennung: Ur¦laub
Beispiel: in oder im Urlaub sein
Bedeutung: (in Betrieben, Behörden, beim Militär nach Arbeitstagen gezählte) dienst-, arbeitsfreie Zeit, die jemand [zum Zwecke der Erholung] erhält
(Quelle: duden.de)

=> Die Schreiberei gönnt sich vom 29. Juli bis 9. August zwei Wochen Betriebsferien 

​Turbolader, Jets und Besserwisser

14. 07. 2019

Textsplitter. «Die Swiss Life zündet den Turbo» war unlängst in verschiedenen Titeln des Konglomerats CH Media zu lesen, so auch in der «Aargauer Zeitung». Wieder einmal hat sie zugeschlagen, die Turbo-Falle: Hartnäckig bedienen sich Journalistinnen und Journalisten der Metapher des zündenden Turbos. Nur: Das Bild ist falsch.

Zugegeben, es ist Haarspalterei auf (Möchtegern-)Experten-Niveau. Trotzdem: Ein Turbolader (Foto oben) wandelt die thermische Energie des Abgases in Ladedruck um, der die Leistung des Motors steigert. Eine zusätzliche Zündung, also das Initiieren eines Funkens, ist dafür nicht vorgesehen. Mit Verlaub: Wer davon spricht – oder eben schreibt –, schmälert die geniale Erfindung des Schweizer Ingenieurs Alfred Büchi erheblich.

Jet mit Propellern?

Es gibt etliche weitere sprachliche Entgleisungen, die Technik-Nerds – Schreiber Koller zählt sich ausdrücklich zu diesem Kreis – zum Glühen bringen. Ein kleiner Auszug:

  • Eine Lokomotive fährt auf Schienen und braucht kein Steuerrad. Folglich sitzt nie jemand am Steuer eines Zuges.
  • Die Einführung neuer SBB-Fahrzeuge verlief bis zum Debakel mit den Bombardier-Kompositionen längst nicht immer reibungslos. Auch andere krankten zu Beginn heftig, nur ist das längst vergessen.
  • Im Cockpit der allermeisten Verkehrsflugzeuge arbeiten zwei Personen. Nicht der Pilot versuchte notzulanden, sondern die Piloten.
  • Die Untersuchung von Flugzeugabstürzen ist komplex und dauert im Idealfall Monate, kann aber auch Jahre in Anspruch nehmen. Noch am Unfalltag zu schreiben, die Ermittler würden über die Ursache im Dunkeln tappen, erübrigt sich in jedem Fall.
  • Wenn ein Triebwerk ausfällt, ist das noch lange keine Beinahe-Katastrophe; wenn bei der Landung ein Reifen platzt, noch viel weniger.
  • Ein Passagierflugzeug mit Propellern ist nicht zwingend alt. Nach wie vor werden solche Turboprops produziert.
  • Ein Flugzeug mit Propellern ist kein Jet.
  • Nicht jeder Diesel ist eine Dreckschleuder.
  • Nur die erste Seite einer Website ist eine Homepage.

Es gäbe noch viele solcher populären Irrtümer, die in Redaktionstuben grassieren. Doch wir wollen es mal nicht übertreiben mit der haarspalterischen Technik-Besserwisserei. Foto Shutterstock

Festführer mit göttlichen Texten

03. 07. 2019

Printmedien. Hier werden Helden-Epen der Moderne geschrieben: Bei den Poseidon-Seefestspielen kämpfen acht Teams in einem Super-Zehnkampf um die Gunst des Meeresgottes. 

Poseidon 2019: Vom 14. bis 18. August feiert der Seeclub Sempach während 100 Stunden seinen 100. Geburtstag. Die Seefestspiele vom Samstag bilden den eigentlichen Höhepunkt des Jubiläums.

60 Seiten für 100 Stunden: Dieser Tage erhalten alle Haushalte in den Gemeinden um den Sempachersee einen rund 60-seitigen Festführer. Die Inhalte dazu sind in der Schreiberei Koller entstanden oder wurden hier redigiert. Auch etliche Texte der Webseite des Anlasses hat der Schreiber mitgestaltet. 

Antike trifft auf Moderne: Bei den Poseidon-Seefestspielen dreht sich viel um die griechische Mythologie. Die Wettkämpfe basieren auf den Erzählungen zu den Wanderungen von Odysseus – seiner Odyssee. Die Schreiberei Koller hat dafür gesorgt, dass die Texte über Götter und Helden entsprechend göttlich daherkommen.

Ankündigung Betriebsferien

28. 06. 2019

Die Ferienvorbereitungen rücken näher. 

Auch diesen Sommer wieder schliesst die Schreiberei für zwei Wochen ihre Tore: Vom Montag, 29. Juli bis Freitag, 9. August

Bis am 26. Juli und danach wieder ab dem 12. August hauen wir für unsere Kunden gewohnt motiviert in die Tasten. Foto Shutterstock