Historische Fakenews

14. 06. 2020

Printmedien. Fakenews – ein scheussliches Schlagwort. Eine Modeerscheinung mit Holzhammerwirkung. Initiiert vom amerikanischen Präsidenten und seiner Entourage dient der Begriff dazu, unliebsame Medienerzeugnisse zu diffamieren. Was einem nicht passt, wird als unwahr abgestempelt. So lässt sich eine eigene Realität zimmern. Willkommen in der Welt der sogenannt alternativen Fakten!

Medien leiden unter dieser Entwicklung. In den Augen vieler Empfänger haben sie an Glaubwürdigkeit verloren. Klar: Immer wieder – und leider immer öfters – lässt das journalistische Handwerk zu wünschen übrig. Gleichwohl arbeitet das Gros der professionellen Medienschaffenden gut und gewissenhaft. Das ist Fakt.

Mit oder ohne Frau?

Bisweilen jedoch werden tatsächlich Unwahrheiten verbreitet – selbst in seriösen Publikationen. Ein anschauliches Beispiel dafür findet sich in der «Heimatkunde des Wiggertals», Schreiber Koller ist Redaktionsmitglied dieses historischen Jahrbuches. 1992 widmete sich darin ein Artikel dem Willisauer Schreiner und Geigenbauer Jakob Steger (1849-1923). Ein dabei verwendetes Bild schmückte 24 Jahre später die Titelseite von Band 73 der Heimatkunde.

Beim zweiten Hinschauen zeigt sich: Das Bild ist das gleiche – und doch ein anderes. In der Version von 1992 steht im Raum hinter Steger ein Spiegel. 2016 indes ist an der selben Stelle eine Frau zu sehen. Offen bleibt, welches Foto die Tatsachen wiedergibt. Ebenso die Frage, ob die Frau seinerzeit nachträglich hinein- oder herausretuschiert wurde. Sicher ist: Dahinter stünde eine erzählenswerte Geschichte.

Ausgaben online abrufbar

Sämtliche Ausgaben der «Heimatkunde des Wiggertals» sind übrigens in der E-Periodica-Bibliothek der ETH Zürich online und kostenlos abrufbar. Das sind keine Fakenews.