Für einmal fehlen die Worte

09. 04. 2022

Textsplitter. Was derzeit in der Ukraine passiert, hat unsere schlimmsten Erwartungen weit übertroffen. 

Für einmal fehlen darob auch dem Schreiber die Worte. Es bleibt die leise Hoffnung, dass dieses unsägliche Leiden möglichst rasch aufhört – und dass dieser eine schlimme Mensch seine Macht schnell verliert. Mehr gibt es nicht zu sagen. 

Ausser noch das hier: #noWar #StopPutin

Foto: Daniele Franchi

​Schöngeistiges und Technisches

01. 03. 2022

Textvielfalt. Im Februar war die Bandbreite von Schreiber Kollers Schaffen wieder besonders gross. Unter anderem hat er für verschiedene Firmen und ein Museum Publireportagen verfasst. Daneben hat er einen juristischen Artikel für ein Fachmagazin leserfreundlicher gemacht, ebenso ein sogenanntes Whitepaper über ein neues Produkt eines Industriebetriebs; und im wunderbaren Kontrast zu all den Paragrafen sowie technischen Details die Entstehung eines Theaterstücks begleitet – mit sprachlichen Korrekturen und inhaltlichen Inputs.

Schöngeistiges und Technisches gehen Hand in Hand. Es ist diese Vielfalt an Textsorten, die die Arbeit in der Schreiberei so reizvoll macht.

Photo: Aaron Burden

Das Spiel wiederholt sich

23. 02. 2022

Textsplitter. Was sich derzeit in der Ukraine abspielt, ist eine Schande. Und eine Tragödie. Zumal sich ein abgekartetes Spiel wiederholt – dieses Mal indes dürfte es deutlich brutaler werden. Mit Blick auf die sich überstürzenden Ereignisse hat sich Schreiber Koller einer «Carte Blanche» entsinnt, die er vor ziemlich genau acht Jahren publizierte. Weiland war er noch Teilzeitredaktor beim «Willisauer Bote» und hatte vor Kurzem sein Studium in Osteuropäischer Geschichte abgeschlossen. 

Auch damals waren gerade Olympische Spiele zu Ende gegangen.

Ritalin gegen Grossmachtansprüche

Hundehalter wissen es. Die Floskel «Der will nur spielen» kommt nicht immer an. Es gibt eben beides: Hundefreunde und -hasser. Letztere können es nicht verputzen, wenn Waldi sie beschnüffelt; selbst wenn er dabei noch so freundlich wedelt. Zumal es zweierlei Vierbeiner gibt: Jene, die spielen wollen und jene, die wenig Gutes im Schilde führen. Ähnlich verhält es sich mit Jungs. Die wollen immer spielen. Manchmal mit guten Absichten, manchmal mit schlechten.

Bestes Beispiel ist der kleine Neo-Zar aus Russland – Vladimir Putin. Zuerst dachte die Welt, man könne den Mann von gerade mal 165 Zentimetern mit Spielen ruhigstellen. Olympia als Ritalin gegen Grossmachtansprüche. In der Tat, es funktionierte. Damit alle auf seinen sündhaft teuren Spielplatz kamen, gab er sich richtig nett und entliess gar einige Widerspenstige aus der Haft. Doch wenige Tage nach Sotschi plärrt er wieder. Und wie: Jetzt will er mehr. Gleich eine Halbinsel soll es sein, vielleicht gar ein ganzer Staat. Mit der fadenscheinigen Ausrede, er müsse seine Landsleute beschützen.

Auf der Krim leben etliche Russen, ohne Zweifel. Zudem verbringen dort viele Bewohner aus dem Reich Putins ihre Sommerferien. Doch zählt das? Wo kämen wir hin, wenn etwa Dagmersellen Nebikon annektiert, bloss weil sich im Schwimmbad Stämpfel einige Einwohner einen Sonnenbrand geholt haben? Oder wenn unverhofft irreguläre Truppen aus Egolzwil in Wauwil einmarschieren; mit der Begründung, nur so könne man die Sicherheit seiner am dortigen Bahnhof wartenden Bürger gewährleisten. Und wenn Fischbach unfreundlich Ebersecken eingemeindet? In der Hoffnung, dass 1140 Personen im Kampf gegen das Asylzentrum mehr Macht haben als 720. Oder wenn die Ufhuser hinterrücks Zell überfallen, weil sie ihre Feuerwehr nun doch wieder zurückwollen?

Besitzverhältnisse und Demokratie: Offenbar bekundet Vladimir Putin mit beidem gleich viel Mühe wie Protagonisten von  «Bachelor»-Staffeln mit dem Artikulieren korrekter Sätze oder Francesco Schettino mit dem Manövrieren grosser Schiffe. Doch So läuft das nicht! Auch wenn der Kleine bloss spielen will, Anstand muss sein. Benimmregeln gelten für alle. Das wissen auch Hundebesitzer. Halten sich ihre Vierbeiner nicht daran, müssen sie in einen Erziehungskurs.

Willisauer Bote (WB), 7. März 2014
Foto: Don Fontijn

​Vergesst die Liebe nicht!

31. 01. 2022

Belletristik. In der Fülle von PR-Texten, Webseiteninhalten, Geschäftsberichten und Medienmitteilungen geht die schöne Literatur bisweilen vergessen. Sünd' und Schande!

Romanzen für Eilige

Beim Lesen einer herzerwärmenden Szene aus dem grossen Roman «Schweizerspiegel» von Meinrad Inglin erinnerte sich David Koller einer in letzter Zeit arg vernachlässigten Rubrik: «Liebesgeschichten für eilige Leser*innen». Sie gewährt Einblicke in glückliche Liebschaften, und tränenreiche; in kurze Affären und ewige Romanzen. All das verdichtet auf wenige Sätze – mehrheitlich verfasst von Schreiber Koller, mitunter von anderen Autoren.

Nun gehört auch Meinard Inglin (1893-1971) zum Kreis der Zitierten. Zu finden sind seine Zeilen hier:

Liebesgeschichten für eilige Leser*innen

Foto: Nick Fewings

Stimmige Medienarbeit

03. 01. 2022

Öffentlichkeitsarbeit. Klein aber fein: im bewusst überschaubar gehaltenen Rahmen präsentiert das Stimmen Festival in Ettiswil (LU) während vier Tagen vielfältige Konzerte mit nationalen und internationalen Künstlerinnen und Künstlern. Dieses Jahr findet der Anlass – so das Virus will – vom 26. bis 29. Mai statt. Es ist die 18. Auflage des Festivals, das sich seit jeher auf Einfachheit und Stimmen konzentriert.

Ansprechperson für Medienschaffende

Ab diesem Jahr ist David Koller für die Medienarbeit zuständig. Die Anfrage des Vereins Stimmen Festival hat ihn sehr erfreut. Zumal er seit seinem 16. Lebensjahr in Bands Bass spielt (Böse Zungen behaupten: Bass dilettiert) und Musik einen entsprechend hohen Stellenwert geniesst.

Für das Stimmen Festival Ettiswil verfasst Schreiber Koller unter anderem Medienmitteilungen und Blogbeiträge, zudem fungiert er als Ansprechperson für Journalistinnen und Journalisten. All das soll für eine stimmige Medienarbeit sorgen. 

​Alle Jahre wieder

10. 12. 2021

Erneut schreiten wir einem ungewissen Jahreswechsel entgegen. 

Abermals hält uns das Virus in seinem Würgegriff. Dem zum Trotz blicken wir von der Schreiberei Koller auf ein schönes und interessantes Jahr zurück. Auf ein Jahr der Extreme, mit sehr schwachen und sehr starken Monaten. Auf ein Jahr mit vielen tollen Projekten und gelungenen Texten. 

Einmal mehr danken wir unseren Kunden und Partnern für die angenehme Zusammenarbeit. Ihnen – und uns allen – wünschen wir, dass 2022 ein noch besseres Jahr wird. Dass wir im kommenden Advent die alte Leier endlich zerschlagen haben; dass sich «alle Jahre wieder» einzig und allein auf die Festtage bezieht.

Betriebsferien: Vom 27. bis 31. Dezember ruhen unsere Schreibmaschinen. Ab dem 3. Januar sind wir wieder für Sie da. 

Foto:  Wilhelm Gunkel

​Vermaledeites Marketing-Neusprech

01. 12. 2021

Sprachwandel. Mal wieder eine Trouvaille aus dem Archiv. Im September 2013 war Schreiber Koller noch Redaktor beim «Willisauer Bote». Damals kam ihm die Ehre zu, eine «Carte Blanche» zu verfassen, als der Böttu erstmals in neuem Kleid erschein. Dazu zog er ordentlich vom Leder und lästerte über Marketing-Neusprech.

Und heute? Sprache lebt, Sprache wandelt sich; (gewisse) Menschen werden offener. Besagtes Grünzeug hat es dem Schreiber mittlerweile regelrecht angetan. Anglizismen lösen bei ihm immerhin keinen Brechreiz mehr aus. Und ja: den einen oder anderen hat er auch schon selber in Texte eingebaut. Die Liebe zur verspielten Sprache indes, die ist geblieben. 

Lauch und andere Unwörter

Jetzt ist es offiziell. Auch in der behäbigen Schreibstube am Viehmarkt 1 sind sie angekommen, die Marketing-Unwörter. Wir, die wir die elegante Sprache hochhalten, schon mal einen herrlich veralteten Begriff einfliessen lassen und mitunter einen aus unserer Mundart. Auch uns hat dieses Mödali erreicht.

Mit der heutigen Ausgabe ist dem «Böttu» ein «sanfter Relaunch» widerfahren – ein gelungener, notabene. Ich weiss nicht, wie es Ihnen geht. Aber ich stolpere jedes Mal über diese Aneinanderreihung von Buchstaben und baue im Kopf unwillkürlich einen Relauch zusammen. So ein Chabis! Als Kind konnte ich Lauch nicht ausstehen, heute verschmähe ich ihn etwas weniger. Ob meine Abneigung gegenüber neudeutschen Wörtern dereinst ebenso abnimmt? Ich wage es zu bezweifeln.

Vermaledeite Modeausdrücke! Auch im Hinterland ist längst jede Hondsverlochete ein Event, jedes noch so kleine Budali hat einen CEO. Anglizismen verunstalten unsere Sprache. Weitere Beispiele gefällig? Ein Branding hat nichts mit der Feuerwehr zu tun, sondern mit dem Aufbau einer Marke. Ein Eyecatcher ist kein Werkzeug zum Öffnen des sonntäglichen Dreiminuteneis. Vielmehr etwas, das dem Betrachter ins Auge springen soll. 

Als wir den Wettbewerb für das neue Gewand unserer Zeitung ausschrieben, führte dies zu Pitches. Bahnhof? Pitch ist die Kurzform von Pitching. Immer noch Railway-Station? Ein Pitching ist die Präsentation von Kampagnenstrategien und Layouts einer Werbeagentur vor Kunden. In einer solchen Agentur arbeitet vielleicht ein Junior-Back-Office-Agent. Was der macht? Ich will es gar nicht wissen! Auch nicht, ob er vor dem Briefing zum Kickoff noch an einem Businesslunch mit dem Art Director war, oder ob dieses Timeout seinen Workflow zu sehr beeinträchtigt hätte.

Engstirnig? Ewiggestrig? Nicht doch! Sprache wandelt sich. Das war immer so und wird immer so sein. Aber jedem Gitzimischt sollten wir Schreiber vom Viehmarkt 1 trotzdem nicht nachrennen.

Foto: Immo Wegmann

​Asyl im Glaubenskrieg

10. 11. 2021

Jahrbuch. Ein Vertriebener war er, ein Verbannter: Seit 1873 lebte Bischof Eugène Lachat im Kanton Luzern, zu Beginn in Altishofen. Sein Wegzug vom einstigen Bischofssitz Solothurn erfolgte alles andere als freiwillig. Der konservative Geistliche war in einen Konflikt geraten, einen regelrechten Glaubenskrieg. Und er stand mitten im Zentrum. Die Auseinandersetzung gipfelte darin, dass ihn verschiedene Kantonsregierungen nicht mehr anerkannten, am 29. Januar 1873 setzte ihn die Diözesankonferenz ab. 

Zwei Monate in Altishofen

Am 16. April 1873 sprach Solothurns Polizeidirektor persönlich im Bischofspalais vor und forderte Lachat auf, das Haus zu verlassen. Seine letzte Nacht in Solothurn verbrachte der Ausgewiesene als Gast eines Bürgerrates, am Morgen machte er sich auf in Richtung Zentralschweiz. Hier lebte er bis Mitte Juni in Altishofen, der dortige Pfarrer Philipp Jakob Meyer gewährte ihm Asyl. Zwei Monate lang war das Pfyfferdorf temporärer Bischofssitz. Dann zog Lachat weiter nach Kriens.

Nachzulesen in der neuen «Heimatkunde»

Die Geschichte des vertriebenen Bischofs ist eine von vielen in der neuen «Heimatkunde des Wiggertals». Die Ausgabe 2022 des seit 1937 erscheinenden Jahrbuchs liegt dieser Tage in den Briefkästen der Abonnentinnen und Abonnenten und im Handel auf. 

David Koller ist Mitglied des Kernteams der «Heimatkunde». Zusammen mit seinem Redaktionskollegen Hansjörg Gassmann hat er das Schicksal von Eugène Lachat aufgearbeitet, diesem aus dem Amt gejagtem Konservativen. Im Fokus lag der Aufenthalt in Altishofen – jenem Ort, an dem Schreiber Koller seinerzeit seine berufliche Karriere lancierte, als Lehrling der Gemeindeverwaltung. Unwissend, dass in unmittelbarer Nähe einst ein Bischof gewohnt hatte. Als Opfer eines Glaubenskrieges, den er selber ausgelöst hatte.